Bebauungsplan Gewerbegebiet Große Feld ist beschlossen.
Mit 54 zu 25 Stimmen hat der Stadtrat den Bebauungsplan 761 Große Feld am 14.07.2026 beschlossen.
Auf den Tag genau 5 Jahre nach der verheerenden Flutkatastrophe in Langenberg.
Gegen den Plan stimmten Grüne und Linke (geschlossen) sowie weite Teile der AfD.
Vor zwei Jahren (25.06.2024) hatten in geheimer Abstimmung noch 36 zu 31 Stimmen gegen den exakt gleichen Bebauungsplan votiert. Insbesondere SPD und FDP waren damals noch dagegen:
„Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen seien nicht mehr so, dass die Flächen aktuell dringend benötigt werden. Grundsätzlich stehe man als SPD-Fraktion weiterhin zu dem Vorhaben, aber eben nicht zum jetzigen Zeitpunkt und nicht ohne erneute Bürgerbeteiligung.“
Die FDP führte für ihre Ablehnung zudem an, dass sich „die klimatischen Verhältnisse seit den damaligen Beschlüssen drastisch verändert haben.“ (Niederschrift Ratssitzung 25.06.2024, Seite 13)
Im Nachhinein müssen wir feststellen, dass das Votum der SPD damals rein taktische Gründe hatte.
Nach zwei weiteren Jahren wirtschaftlicher Stagnation sind die genannten Gründe sicherlich nicht ausgeräumt. Auch die FDP hat nach der Kommunalwahl die „klimatischen Verhältnisse“ des Große Feld neu bewertet – nur Tage nach einer noch nie erlebten Hitzewelle.
Mit dem SPD-Versprechen einer erneuten „freiwilligen Bürgerbeteiligung“ zum Bebauungsplan wurden die Bürger*innen verschaukelt: Bei einer Beteiligung (§ 3 Baugesetzbuch) können Bürger*innen Stellungnahmen abgeben, diese sind zu prüfen und das Ergebnis ist ihnen mitzuteilen.
Was wir stattdessen gesehen haben, war eine „Bürgerinformationsveranstaltung“, bei der nur die Befürworter des Gewerbegebietes wortreich auf dem Podium auftreten konnten. Anschließend konnten Bürgerinnen und Bürger Fragen stellen, die oft unkonkret und ausweichend beantwortet wurden. Beschlossen war der Bebauungsplan schon vor der „Bürgerinformation“, nur noch nicht abschließend im Stadtrat.
Interessant war der Beitrag des Ex-Bürgermeisters Stefan Freitag (jetzt Ratsmitglied Velbert Anders), die Stadt habe schlecht vermittelt, in seinem Bekanntenkreis „seien 9 von 10 Personen gegen das Gewerbegebiet“. Das hinderte ihn natürlich nicht, für den Plan zu stimmen.
Wie geht es jetzt weiter?
Die Bürgerinitiative und ihre Mitglieder erkunden nun die Möglichkeiten einer erneuten Normenkontrollklage.
Die Technischen Betriebe und ggf. die Stadtwerke Velbert gehen in die Feinplanung der technischen Erschließung. Für die TBV sind dies im ersten Bauabschnitt (7,9 ha gewerbliche Bauflächen) rd. 24 Mio. € Investitionskosten, die größtenteils von allen Gebührenzahler*innen bezahlt werden sollen. Die Stadtwerke haben einen zweistelligen Mio. € Betrag für die Ertüchtigung der Stromversorgung angekündigt, die über die Netzentgelte von allen Stromkunden zu bezahlen wären.
Bürgermeister Lukrafka hat im Rat einen Beginn der Kanalerschließung ab 2028 angekündigt.
Das widerspricht dem vom Verwaltungsrat TBV beschlossenen Abwasserbeseitigungskonzept 2026-2031.
Dort hat man sich auf einen Beginn der Erschließung ab 2032 festgelegt und die anderen, wichtigeren Maßnahmen der Bezirksregierung mitgeteilt.
Zeitgleich wird es in den nächsten Jahren im Gewerbeflächenbestand weitere Entwicklungen geben. Neben Ansiedlungen auf Bestandsflächen, drohen weitere ggf. auch sehr große Flächen aus der Nutzung zu fallen.
Es ist zu befürchten, dass die Ratsmehrheit, die jetzt dem Große Feld zugestimmt hat, weitere insbesondere innenstadtnahe Gewerbeflächen in Wohngebiete umwidmet und für deren Eigentümer „vergoldet“.
Als Begrüßung neuer Gewerbebetriebe auf dem Große Feld, aber natürlich auch für alle Unternehmen im Bestand, hat der Rat für 2032 eine Erhöhung des Gewerbesteuerhebesatzes von 475 auf 530 Punkte angekündigt. Das ist folgerichtig, um die für das Gewerbegebiet bis dahin angefallen Kosten zu decken.
Eine nachhaltige Stadtentwicklung, die bestehende Infrastruktur und erschlossene Flächen in den Fokus nimmt, ist bis zur nächsten Kommunalwahl nicht zu erwarten.
Bürgerinitiative Große Feld Velbert e. V.
– Stefan Overkamp, 1.Vorsitzender

Amtliche Basiskarte sowie georeferenzierter BPlan 761, Stadt Velbert, „Datenlizenz Deutschland – Zero“ (https://www.govdata.de/dl-de/zero-2-0)